Die autorengruppe79 wurde 1976 von Urs
M. Fiechtner gegründet, teils als Forum für die interkulturelle
Zusammenarbeit von Autoren aus unterschiedlichen Kulturkreisen,
teils als Plattform für die gemeinsame Arbeit von Schriftstellern
mit Künstlern aus anderen Disziplinen, vor allem der Musik: schon
das erste gemeinsame Buch wurde 1977 in Form einer Konzertlesung
vorgestellt. Von Anfang an bilden Urs M. Fiechtner und Sergio
Vesely den Kern der Autorengruppe. Je nach Projekt arbeiten sie
über einen mehr oder minder langen Zeitraum mit Autoren und
Künstlern verschiedener Sparten zusammen, geben gemeinsame
Publikationen heraus oder arbeiten mit ihnen auf der Bühne
zusammen.
In ständig wechselnder Zusammensetzung ist die autorengruppe79 ein
lockerer, auf gemeinsame Projekte begrenzter Zusammenschluß sehr
unterschiedlicher Künstler, die aus verschiedenen Perspektiven und
mit unterschiedlichen Mitteln an ein Projekt herangehen. Literatur
und Musik stehen im Vordergrund, gelegentlich kommen auch Graphik,
Malerei und Fotographie hinzu. Auch beim Kulturellen Hintergrund
ist der Wechsel der Perspektive - oder besser die gegenseitige
Ergänzung aus den Blickwinkeln, der Sprache und den Stilmitteln
verschiedener Kultur-traditionen - sehr erwünscht. So haben z.B. an
der von Fiechtner mit Reiner Engelmann seit 1998 herausgegebenen
Lesebuchreihe über Menschenrechtsthemen bisher über 100
Autoren/innen aus 60 Ländern mitgearbeitet.
über Fiechtner und Vesely ist oft geschrieben worden, ihre
Zusammenarbeit sei „bereits im besten Sinne multikulturell und wie
selbstverständlich gewesen, lange bevor der Begriff in aller Munde
war“. Das mag sein, je nachdem, welche der vielen Bedeutungen des
Wortes man gerade unterlegt. Doch für sich selbst und die Arbeit
der Autorengruppe ziehen Fiechtner und Vesely den präziseren
Begriff der interkulturellen Zusammenarbeit vor, der nicht die
unkritische, zuweilen ins Beliebige rutschende Vermengung oder die
bloße „bunte Vielfalt“ meint, sondern die pointierte
Auseinandersetzung und den gezielten Dialog.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit wird geprägt - nicht allein,
aber doch mit einem deutlichen Schwerpunkt - von der Verbindung
zwischen Literatur und Musik. Hier haben Fiechtner und Vesely die
alte Tradition des Zusammenwirkens von Musik und Text, von
gesungenem und gesprochenem Wort, auf eine angenehm unspektakuläre
und auf das Wesentliche reduzierte Weise wieder aufleben lassen und
ihr 1977 mit der Konzertlesung einen Begriff gegeben, der heute
Allgemeingut geworden ist – auch wenn er nicht immer so verwendet
wird, wie Fiechtner und Vesely ihn meinen.
Auch wenn es die künstlerischen Unterschiede sind und nicht die
Gemeinsamkeiten, die den Reiz der Zusammenarbeit in der
Autorengruppe ausmachen, so sind doch einige Gemeinsamkeiten unter
den Mitwirkenden offensichtlich: am Schreibtisch, im Studio und auf
der Bühne konzentrieren sie sich auf das Wesentliche, also auf
Themen, Formen, Inhalte. Alles andere tritt in den Hintergrund
zurück, die Person des Autors ebenso wie das kommerzielle Interesse
einer Publikation. Gemeinsam ist ihnen auch eine gewisse
freundliche Skepsis gegenüber den Usancen des Kulturbetriebes - da
halten sie sich aus allem heraus, was nicht unbedingt sein muss –
und eine eher deftige Skepsis gegenüber den Forderungen irgendeines
Zeitgeistes. Sich selbst nehmen sie nicht so wichtig - ihre Themen
aber um so mehr, und daher ist es für sie auch ganz natürlich, mit
einem Teil ihrer Arbeit andere zu unterstützen: nicht wenige ihrer
Veranstaltungen und Publikationen kommen
Menschenrechtsorganisationen oder Kulturinitiativen zugute.
Ansonsten hält sich die Autorengruppe mit programmatischen
Vorstellungen zurück. Dies gilt übrigens auch für den Namen - in
(selbst-) ironischer Anspielung auf die Bedeutungshuberei vieler
ähnlicher Initiativen jener Zeit hängten die Autoren ihrer Gruppe
einfach die banalste und zugleich pragmatischste Zahl an, die ihnen
einfiel: eine Postleitzahl, und zwar die (damalige) ihrer Adresse
in Ulm. – Und amüsierten sich jahrelang damit, neugierigen
Fragestellern die tiefsinnigsten Interpretationen aufzutischen...