Urs M. Fiechtner / Sergio Vesely
Erwachen in der Neuen Welt
Bartolomé‚ de las Casas und seine Zeit
Osnabrück, 2006
Verlag terre des hommes
ca. 240 S., Taschenbuch
Medium: Buch
Zielgruppe: Jugendliche ab 12 und Erwachsene
Genre: Romanbiographie
Bartolomé de las Casas (1484 - 1566) zählt zu den
berühmtesten, aber auch bis in unsere Zeit umstrittensten
Persönlichkeiten der europäischen Kolonial- und
Kirchengeschichte. Wie auch immer man über ihn denken mag, so
ist es doch sicher, daß er eine bedeutende Rolle bei der
unendlich schwierigen und langsamen Entwicklung spielte, die zu
unseren heutigen Begriffen von den Rechten und der Würde des
Menschen führen.
Der andalusische Kaufmannssohn, der Latein- und
Theologieschüler, der koloniale Grund- und Minenbesitzer, der
Sklavenhalter und Militärkaplan, der Prediger und Chronist,
der politische Beamte, streitbare Priester, Mönch, Bischof und
frühe Verteidiger der Menschenrechte indianischer Ureinwohner
wandelte sich im Verlauf seines abenteuerlichen Lebens vom durchaus
gewöhnlichen Kolonialherren zu einem der ersten und einem der
lautesten Ankläger der maßlosen Greueltaten, die Europas
Eroberer an den amerikanischen Völkern begangen und wurde zum
Gegenstand erbitterter, bis heute anhaltender Auseinandersetzungen
um die Rolle Europas und der Kirche bei der Eroberung Amerikas.
Erwachen in der Neuen Welt ist eine spannend geschriebene, bis ins
kleinste Detail auf historische Forschung beruhende Romanbiographie
über die ersten 30 Lebensjahre von Las Casas, jener Epoche
also, in der er "die Seiten wechselte" und die bisher in
der Literatur fast keinen Niederschlag gefunden hat. Aber gerade
diese Wandlung vom Mitläufer, Mit-Profiteur und Mittäter
des gewaltsamen Eindringens Europas in die amerikanische Welt zum
Verteidiger indianischer Lebensrechte und zum Vermittler zwischen
beiden Welten ist das Thema, das Fiechtner und Vesely besonders
interessiert. Hier hat jemand dazugelernt, langsam, in kleinen
Schritten, und ganz gegen den Mainstream seiner Zeit, gegen die
herrschenden Verhältnisse, gegen die eigenen Profit-Interessen
und gegen die allgemeine Taubheit gegenüber den
Ansprüchen und den Rechten der Unterlegenen. Also ein durchweg
aktuelles Buch. Wie immer, wenn die Autoren über ein
historisches Thema schreiben, spüren sie einem besseren
Verständnis der Gegenwart nach und verknüpfen ihr Thema
mit Bezügen auf die heutige Zeit.
"Literarisch brillant - Ein packendes Werk, spannend
geschrieben. Ein unrühmliches Kapitel der europäischen
Geschichte wird erschreckend deutlich, das Verständnis
für fremde Kulturen geweckt..."
(Schweizerische Lehrerzeitung)
"Ein beeindruckendes Buch, eine gelungene Mischung aus
Erzählung und Sachbuch, das Kolonial-, Glaubens- und
Kirchengeschichte sowie das Alltagsleben der Menschen des
ausgehenden Mittelalters fesselnd zu beschreiben vermag. Das ist
kein leichter Schmöker, man liest lange daran. muss sich
manchmal ganz schön konzentrieren, will am Ende aber unbedingt
mehr wissen. Für alle historisch interessierten Leser eine
wirkliche Entdeckung mit vielen Bezügen zur
Gegenwart..."
(Neue Westfälische)
"Unmengen von Dokumenten haben Fiechtner und Vesely
durchwühlt, um nicht nur die Wege, sondern auch die Gedanken
des jungen Las Casas nachgehen zu können. Entstanden ist ein
spritzig geschriebendes Buch, das vor allem den jugendlichen
Werdegang beleuchtet. Eingebettet in die Welt um 1500, zeichnen sie
den Weg vom Kaufmannssohn über den Theologieschüler bis
hin zum Sklavenhalter und Militärgeistlichen. Doch Las Casas
passt sich nicht an...
Wichtig ist den Autoren die Sozialisation, die langsame und
zähe Wandlung des jungen Mannes, die Entdeckung der Neuen Welt
durch die Konfrontation mit der indianischen Kultur. Dadurch lebt
das Buch.
(Frankfurter Neue Presse)