Urs M. Fiechtner & Sergio Vesely
Gesang für América / Canto a América
Zweisprachig spanisch/deutsch
Stuttgart 2001
Schmetterling Verlag
3-89657-113-3
200 S., Broschur
E 12,80
Medium : Buch
Zielgruppe : Erwachsene und Jugendliche (ab 15),
Spanischlernende
Genre : Lyrik und Kurzprosa
Der Gesang für América ist wahrscheinlich der
bekannteste Gedichtband des Autorenduos Fiechtner & Vesely,
hier erstmalig in einer zweisprachigen Ausgabe vorgelegt. Eine
poetische Version der Geschichte Latein-) Amerikas von ihren
Ursprüngen bis zum Ende der Kolonialzeit, gleichzeitig ein
virtuoser Streifzug durch die Mittel und Formen der modernen Lyrik
- dies alles so packend und punktgenau geschrieben, daß auch
diejenigen, die bisher nichts mit Gedichten anzufangen wussten, auf
den Geschmack gebracht werden.
Die zu einer durchgehenden Erzählung gereihten Texte beginnen
mit der Entstehung und Gestaltung der Welt aus indianischer Sicht
und führen über die Epoche der Eroberung Amerikas und den
Aufbau der abendländischen Kolonie bis in das Zeitalter der
Unabhängigkeitskriege. Hier liegt der historische Boden, in
dem nahezu alle Konflikte der Neuzeit wurzeln. Die Vergangenheit
steht daher nur scheinbar im Vordergrund, das historische Bild wird
zwischen den Zeilen zu einem perspektivisch vielfältigen Blick
auf die Probleme der Gegenwart geordnet.
Der Band enthält beide bisher erschienenen Bücher des
Gesang für América in einer durchgesehenen
deutschsprachigen sowie einer neu entstandenen spanischsprachigen
Fassung: den 1986 erstmals veröffentlichten ersten Teil
über die indianische Geschichte und den Beginn der Eroberung
Are V Xe Oher - Die alte Überlieferung sowie den 1991
erschienenen zweiten Teil Santa Cruz de Indias über die
europäischen Kolonien.
Auch dieses Buch hat, wie wohl fast alle von Fiechtner und Vesely,
viel mit den eigentlichen Ursprüngen der Lyrik und daher mit
dem Zusammenspiel von Literatur und Musik zu tun. Man spürt es
schon beim ersten Lesen, daß hier den Zeilen eine Musik
innewohnt, die alle Sinne anspricht und zum Klingen gebracht werden
will.
Der Gesang für América ist in einer Einheit aus Sprache
und Musik entstanden. Man kann das Buch trotzdem still für
sich selbst lesen, und großen Gewinn daraus ziehen. Aber man
sollte es außerdem auch ein Mal laut lesen, von Herzen, und
vielleicht sogar singend, so, wie es Fiechtner und Vesely bei ihren
Konzertlesungen tun, in denen sie Musik und Literatur wieder zu der
Einheit zusammenführen die sie von Anfang an gebildet
haben.
Begleitend zum Buch ist im selben Verlag eine Unterrichtseinheit
für Spanischlernende erschienen (Mekus/Diekmann/Röger:
Geschichte erfahren durch Gedichte), die sich erfrischend und
materialreich nicht nur um den Transfer der Sprache bemüht,
sondern auch darum, die Distanz zum Medium des Gedichtes abzubauen
und die darüber hinaus die politischen, sozialen und
historischen Grundlagen der behandelten Texte untersucht. Das
sorgfältig und kenntnisreich zusammengestellte
Sekundärmaterial ist daher nicht nur für Spanischkurse
interessant, sondern auch für (zweisprachige) Leser/innen, die
sich intensiver mit der Materie befassen wollen.
"In einer ausladenden Bewegung, die geeignet ist, die
Kenntnisse und Standpunkte (auch) des (Fach-) Publikums zu
erweitern, wird der historische Gegenstand vorgeführt. Mit
wenigen Worten nur wird er an- und aufgerissen, auf notwendigste
Bestandteile reduziert. Und doch: hier wird das Terrain
überblickt und die Richtung bestimmt - artistisch !"
(Schwäbische Zeitung)
"Aus verschiedenen Elementen ein einheitliches Ganzes, ein
Bild Südamerikas, das Vergangenheit und Gegenwart aufeinander
bezieht und auseinander erklärt. Das gelingt mühelos dank
einer Sprache, die blendend, nein, erhellend formuliert und von
großer poetischer Dichte ist..."
(Westdeutsche Allgemeine Zeitung)
"Ist das Buch schon Kunstwerk an sich, der Vortrag erweist
sich als gänzlich eigenständige, persönliche
Kunstform. Fiechtner ist ein Berichterstatter von rhetorischen
Gnaden, dessen Erzählung durchweg musikalisch enggeführt
wird. Vesely unterlegt den Text lautmalerisch, illustriert und
dramatisiert, so daß man zuweilen im Hörspielstudio zu
sitzen glaubt. Blickt er gedankenverloren ins Leere, so ist er doch
hart am Text. Mit einem Male nimmt Vesely den essayistischen
Gedanken auf und beseelt ihn poetisch mit seinen Liedern, singt das
Klagelied zur Geschichte wie aus uralten Zeiten und steht somit ein
für die Erinnerung. Anders Fiechtner, das intellektuelle
Rauhbein: er ficht eine Sprach-artistische Wortschlacht,
nüchtern, was Europa betrifft, aber eindringlich. Sein
forensisches Feuer ist gewaltig. Daß er im rasenden
Zungenschlag mit gestochener Artikulation den Text
verständlich halten kann, auch das wiederum zeugt von dessen
literarischer Güte...
Das ist gewitzt verpackte Historie mit dauerndem Gegenwartsbezug,
voll findiger Sprachbilder, voll sozialer Anklage. Man darf sagen:
Fiechtner und Vesely sind Pfundskerle mit der authentischen
Geradlinigkeit zu Schmerz und Gram, Wut und Spott...“
(Südwest Presse)